Ein Studierenden-Projekt der Goethe-Universität
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Über das Projekt

Die vorliegende Ausstellungsseite ist das Resultat des Seminars „Musik und Theater ausstellen – die Frankfurter Sammlung Manskopf als virtuelles Museum“, das die Unterzeichnenden im Sommersemester 2019 an der Goethe-Universität gemeinsam abgehalten haben. Im Vordergrund der Lehrveranstaltung stand die Frage, wie Musik und Theater in einer Ausstellung präsentiert werden können. Diskutiert wurden – auch unter Hinzuziehung externer Expertise – kuratorische Fragen im Kontext ‚Musikausstellungen‘. Neben der Diskussion theoretischer Fragen war das Erarbeiten einer eigenen kleinen Ausstellung die zweite Aufgabe des Seminars. Aufgrund der begrenzten Ressourcen kam eine ‚richtige‘ Ausstellung, d.h. eine klassische Vitrinenpräsentation nicht in Frage. Insofern war der virtuelle Raum für die Präsentation konzeptionelle Vorgabe.

Präjudiziert war die zu kreierende Ausstellung zum einen durch die in der Universitätsbibliothek aufbewahrte Sammlung Manskopf, die thematisch ganz auf Musik und Theater ausgerichtet ist. Zum anderen galt das Augenmerk einem besonderen Segment dieser Sammlung, nämlich den Beständen zum Komponisten Richard Strauss (1864-1949). Unser Ausstellungsprojekt war also von zwei verschiedenen Seiten her zu konturieren.

Der Musikaliensammler und Museumsdirektor Friedrich Nicolas Manskopf war eine der schillerndsten Figuren im Frankfurter Kulturleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er initiierte und installierte ein „Musikhistorisches Museum“, das mehr als 40.000 Exponate zu den Bereichen Musik und Theater umfasste, das Manskopf zu Beginn in seinen Privaträumen beherbergte. Seit den frühen 1910er Jahren verfolgte Manskopf ein weiteres ehrgeiziges Ziel, nämlich ein dem Komponisten Richard Strauss exklusiv gewidmetes Museum zu errichten. Dieses Vorhaben wurde indes nie realisiert. An Exponaten mangelte es Manskopf nicht: Seine Hinterlassenschaft umfasst ca. 900 Exponate zur Strauss: Szenenfotos, Bühnenbilder, Musikalien, Textbücher, Briefe, Memorabilia und Kurioses. Vor diesem Hintergrund erschien es ebenso reizvoll, der Frage nachzugehen, wie dieses Museum ausgesehen haben könnte.

Die Strauss-Bestände in der Manskopf’schen Sammlung der Universitätsbibliothek bildeten also den Ausgangspunkt für unser Projekt mit den Studierenden. Sichtung und vor allem Auswahl war zunächst oberstes Gebot! Ein besonderer Fokus wurde auf das Verhältnis Manskopf-Strauss gelegt. Es ging nicht nur darum, Gegenstände der Sammlung zu präsentieren, sondern auch die Beziehung zwischen Sammler und Objekt/Komponist zu befragen, im besten Fall die ausgewählten Objekte dazu ‚sprechen‘ zu lassen; dies betrifft insbesondere die Briefe.

Die zu präsentierenden Objekte wurden schließlich in fünf Bereiche eingeteilt, einerseits um die Bandbreite der Zeugnisse zu dokumentieren, andererseits um den spezifischen Vorkenntnissen der Studierenden Rechnung zu tragen: Briefe, Karikaturen, Bühnenbild- und Kostümmodelle, Szenen- und Rollenfotos sowie Plakate. Angereichert werden diese Felder um drei weitere thematische Blöcke: zur Sammlung, zur Biographie Manskopfs und eben zum Verhältnis Strauss-Manskopf, letzteres in Form einer Zeitachse. Aufgrund der Quellenfülle zum Rosenkavalier haben wir entschieden, diesem Werk exemplarisch ein eigenes Narrativ in Gestalt einer größeren textlichen und bildlichen Verknüpfung einzuräumen.

Ein Diskussionspunkt innerhalb des Seminars war die Verwendung von Audio-Zeugnissen im Rahmen einer Musikausstellung. Obwohl gerade eine virtuelle Ausstellung zu einer Implementierung der akustischen Ebene gleichsam einlädt, haben wir letztlich aus konzeptionellen wie urheberrechtlichen Gründen entschieden, auf Audio-Beispiele zu verzichten.

Thomas Betzwieser und Bernd Zegowitz